Krak des Chevaliers – Where Crusaders and Arabs met

Die syrische Kreuzfahrerfestung Krak des Chevaliers bzw. das arabische Qal’at al-Hosn (قلعة الحصن) ist sowohl aus christlicher als auch muslimischer Sicht das bedeutendste Überbleibsel der Kreuzritterzeit. Seinem Bewohner verschaffte diese Burg die Kontrolle über einen der seit dem Altertum wichtigsten Handelswege von der Küste ins Landesinnere und selbst heute, zur Zeit des syrischen Bürgerkriegs, bieten die Türme und dicken Mauern des Kraks einen sehr guten strategischen Vorteil sowie Schutz, was dieses UNESCO-Weltkulturerbe von Zerstörung bedroht.

Auch an einem Freitag, dem muslimischen Sonntag und eigentlich striktem Ruhetag, steht nicht wirklich alles still. Mit ein wenig Glück kann man sogar ohne größere Probleme eine kleine Rundreise starten und von Damaskus aus ist das Krak des Chevaliers, die eine massive, gut erhaltene Kreuzritterburg in relativ kurzer Zeit zu erreichen. So wie alle Wege nach Rom führen, ist in Sachen Syrien die Damaszener Busstation Harasta de facto immer der Ausgangspunkt für Reisen in das nörd- und westliche Syrien, wie z.B. Aleppo, Tadmur (Palmyra) oder aber auch Homs (حمص), dem „Umsteigebahnhof“ wenn man die im arabischen Qal’at al-Hosn genannte Festung besuchen möchte.

Der Krak liegt an der Autobahn zwischen Homs und Tartus und kann mit Minibussen erreicht werden. Die Burg selbst wird allerdings nicht direkt angefahren. Man muss dem Fahrer also verständlich machen, dass man an der Autobahnausfahrt zum Krak des Chevaliers abgesetzt werden möchte. Von dort geht es dann weiter und man erreicht die Burg nach weiteren 45-60 Minuten. Westlich des Kraks gibt es Unterkünfte mit Zimmern die eine direkte Sicht auf die Burg ermöglichen. Es ist schon ziemlich luxuriös im Bett liegend das Farbspektakel des Sonnenaufgangs hinter dem Krak beobachten und fotografieren zu können :-)

Ursprünglich im Jahre 1031 vom kurdischen Emir von Homs errichtet, fiel die damals noch Hisn al-Akrād (Kurden-Burg) benamte Festung gegen Ende des 11. Jahrhunderts kurzzeitig in die Hände der Kreuzritter des ersten Kreuzzugs unter Raimund von Saint-Gilles. Nach lediglich 10 Tagen in christlicher Hand zog das Heer allerdings weiter und der Krak fiel wieder zurück an die Muslime. Nach wenigen Jahren kehrte der französische Heerführer als Raimund IV. von Toulouse zurück und versuchte sich seine eigene Herrschaft aufzubauen. Er als auch sein Sohn Bertrand von Saint-Gilles vermochten es nicht die Festung einzunehmen, dafür aber ihr normannischer Konkurrent Tankred von Tiberias der die Ausdehnung des Fürstentums von Antiochia verfolgte.

Durch Verheiratung kam die Saint-Gilles Dynastie dennoch in den Besitz der Burg, welche aber 1142 wegen mangelnder Finanzierbarkeit an den Johanniterorden ging. Zwei schwere Erdbeben in den Jahren 1157 und 1170 sorgten dafür, dass die Festung umfangreich umgebaut wurde, weswegen es aus der Zeit davor keine Überreste gibt, was arabische Quellen mit “auf dem Burgberg steht kein Stein mehr auf dem anderen” angeben. Der dann erfolgte Neubau der Burg hatte ein europäisch-hochgotisches Strickmuster, welches die im Jahr 1188 einen Monat dauernde Belagerung durch Sultan Saladin locker überstand. Nach neuerlichen Erdbeben wurde die Burg erneut massiv verstärkt und ausgebaut, die Johanniterherrschaft führte das Krak des Chevaliers in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zum Höhepunkt.

Die Johanniter bauten die Mauern auf bis zu 8 Meter dicke aus. Sie errichteten eine Kapelle, massive Rundtürme und verstärkten Wassergraben und die äußere Zwingermauer. Fertig war eine perfekte militärische Operationsbasis die allerdings nur bis Ende des 13. Jahrhunderts hielt, als Sultan Baibars die Kreuzritter nach langer Belagerung den Krak wieder einnahm und die Europäer so aus dem Mittleren Osten verjagte. Die Schäden dieser Belagerung, welche Unterminierung mit einschloss, waren schnell beseitigt und so diente die Festung militärisch den Arabern bis weit ins 19. Jahrhundert.

UPDATE 2014: Der syrische Bürgerkrieg ist eine Tragödie und leider verschont er auch nicht den Krak des Chevaliers. Die Stadt Homs war die Hochburg der Proteste gegen die Assad-Regierung und so ist es nicht verwunderlich, dass sich die Rebellen den Schutz der Kreuzfahrerburg zu Eigen machten. Damals schleuderten Baibars arabische Bliden Geschosse auf die dicken Mauern, heute sind es von Flugzeugen abgeworfene Bomben. Wieder einmal steht der Krak des Chevaliers im Zentrum einer militärisch geführten Auseinandersetzung, wieder einmal nimmt er Schaden und hoffentlich wird er wieder einmal neu aufgepäppelt.

Vor dem Krieg gab es einmal im Jahr auf den gegenüberliegenden Gipfeln der Alawitenhöhen immer ein Volksfest mit großem Picknick. Viele Menschen blieben bis spät in die Nacht und in den letzten Jahren setzte man den Krak des Chevaliers sogar mit einem Feuerwerk in Szene. Diese friedlichen Zeiten sind kriegsbedingt leider für lange Zeit nicht mehr denkbar, geschweige denn möglich.

Verwendete Fototechnik: Canon EOS 20D, Canon EF-S 10-22 f/3.5-4.5, Tamron 17-50 f/2.8, Tamron 28-75 f/2.8, Sigma 80-400 OS f/4.5-5.6

Krak des Chevaliers