John Digweed & Hernan Cattaneo @ Arena Club Berlin

Großmeister John Digweed ist ein seltener Gast in unseren Gefilden und der immer gut gelaunte Hernan Cattaneo ist an der deutschen Hauptstadt bis dato wenn dann höchstens vorbei geflogen. Das Lesen beider Namen nebst Trentemøller und Tiefschwarz auf einem Flyer mit Austragungsort Berlin ließ daher im ersten Moment eher nach der versteckten Kamera suchen denn das Herz höher schlagen. Je weiter der November voran schritt, desto stärker verdichteten sich die Zeichen, dass die Kuduro Live Sessions alles andere als ein Dezemberscherz sind und mit dem Arena Club einer der angenehmsten Berliner Spielplätze für elektronische Klänge  gewählt wurde.

Egal ob kulturell-musikalisch oder aber menschlich, es gibt nichts Besseres als das Händeschütteln zweier Kulturen. Genau das versuchte das Team um die Kuduro Live Sessions mit dem auf drei Floors ins Rennen geschickten Arena Club. Bis auf den kleinen gleichnamigen Arena Club war es auf den anderen Floors allerdings ein wenig ruhiger. Zur Hochzeit verirrten sich 100, vielleicht 120 Seelen in den Skull Room, den Floor wo Cattaneo und Digweed aufspielten und der zuvor von Ali (Tiefschwarz) aufgewärmt wurde.

Das Gute am quantitativen Unterdurchschnitt: Man hatte sehr viel Platz zum Tanzen und als der Cheftechniker endlich den Schalter fürs Einnorden des Soundsystems gefunden hatte, klang die Anlage dann auch mal gleich drei Stufen weniger breiig und somit einem Cattaneo oder Digweed würdig, denn ungeachtet der geringen Berliner Beteiligung spielten beide technisch und musikalisch auf bekannt hohem Niveau. Vielleicht war der im Skull Room hängende und mit Spiegelpailletten besetzte Totenschädel auch ein zu starkes Omen.

Hernans Stirnrunzeln, ein Mann den man sonst nur lächelnd kennt, drückte an diesem Abend, bzw. sehr frühen Morgen, dann auch mehr aus als tausend Worte. Seine Sorge, ob die Leute in Berlin seine Musik nicht mögen, ist aber nach wie vor unbegründet. Cattaneo und Digweed spielten jeweils 2 Stunden, beginnend allerdings erst um 4:00 bzw. 6:00 Uhr, was gelinde gesagt ein Schlag ins Gesicht all derer ist die zwar liebend gern gekommen wären, die um diese Zeit aber eher mit zufallenden Augenliedern und gähnen denn mit vor Rhythmus glühenden Beinen zu kämpfen gehabt hätten.

Berlin hat seine eigenen Regeln und das ist auch gut so. Planungsfehler werden allerdings umgehend und zum Leidwesen aller bestraft. Das Schlimme daran ist aber das sich solche Erlebnisse natürlich in dieser Gilde von DJs rumsprechen und Berlin damit zur verbrannten Erde avanciert die man besser nicht mehr betreten sollte. Was wiederum diese Stadt und die eng mit ihr verwobene Clubkultur alles andere als vollständig reflektiert, denn Berlin ist nicht nur Berghain und Watergate, ist nicht nur Techno- und Deep House-Gentrifizierung.

Leute wie Digweed und Cattaneo haben hier durchaus Anhänger die jeden Club dieser Stadt zum Explodieren bringen würden, wenn sie sich nicht zwei Wecker stellen, vorschlafen und mitten in der Nacht um 3:00 Uhr aufstehen müssten. Einer dieser Getreuen servierte dem Bedrock Label Chef fast seine gesamte Diskografie zum Signieren, was Digweed in amüsiertes Staunen versetzte und hoffentlich auch zeigte, dass wir Berliner durchaus Interesse an Jungs wie Euch haben. Auf der anderen Seite verstehe ich mehr denn je was mir Nick Warren im Jahre 2004 sagte, dass er in Berlin wenn dann nur noch im Rahmen der Paul van Dyk Parties auflegt…