A Photographer’s Life - Heute: Ausbeutung
Ein kleiner Exkurs in die Untiefen des heutigen Foto Marktes…
Kürzlich schrieb mich die Chefredakteurin eines Fachmagazins an: Man wolle ein Orient-Special erstellen und sei bei einer Recherche in diesem Zusammenhang auf meine Fotos gestoßen.
In unserer nächsten Ausgabe haben wir einen Orient-Schwerpunkt. Zur Illustration benötigen wir entsprechend hochqualitative, großformatige Bilder und gerne geben wir jungen Fotografen die Chance, sich unserer Leserschaft zu präsentieren.
Das klingt zunächst recht reizvoll; auch, weil anderen Menschen auffällt, dass die eigenen Fotos eine Nachricht transportieren. Immerhin sprechen wir über eine deutschlandweite Auflage von 20.000 Stück, die von
den in Berlin akkreditierten Botschaftern, sowie führenden Persönlichkeiten der Berliner Wirtschaft und Angehörigen des Bundestages und der Ministerien
gelesen wird. Nach weiterem Nachfragen entpuppte sich das Ganze dann aber als Überinterpretation des Wowereit’schen Hauptstadtmottos »Arm, aber Sexy«. Denn, für die Veröffentlichung bekommt man nichts außer potentiellen Ruhm & Ehre; ergo: Nichts, aber Sexy.
Immerhin, man darf jenen Leserkreis beglücken, der in Sachen Klimawandel statt zu handeln lieber hohle Phrasen drischt. Ein Leserkreis, der Waffenverkäufe an die Dritte Welt zulässt und uns Stück für Stück entmündigt/überwacht, als auch Bundeswehr-Mandate beschließt, also Soldaten in den Krieg schickt. Von diesen Leuten hat man nichts… Von daher, Nichts von ihnen zu bekommen ist irgendwo ein Stück weit logisch und resolut.
Der Träger jener Redaktion ist eine Art Networking-Club, der eine Jahresmitgliedschaftsgebühr von läppischen 1500 Euro erhebt. Ein Nichts in Zeiten steigender Inflation. Verständlich, dass man angesichts derart geringer Einkünfte am Hungertuch nagen und den Kostendruck an die Zulieferer weiter reichen muss. 70-80 Euro netto je veröffentlichtes Bild (das zum Beispiel zahlen große deutsche Abendzeitungen) scheinen zu viel des Guten zu sein.
Auch wenn man nicht von der Fotografie lebt, so hat man ihr gegenüber eine Verantwortung. Denn, es gibt genug Menschen die von ihr leben (müssen). Prostituiert man sich also für derartige Veröffentlichungen, so bricht man einen Dumping-Wettbewerb vom Zaun, in dem die Profis nicht ansatzweise Schritt halten können. Kurzum, man verdrängt sie und gräbt ihnen das Wasser ab. Übrigens, die USA erheben hohe Einfuhrzölle, wenn andere Staaten (bzw. global aufgestellte Konzerne) mit Dumping, also zu billiger Ware in deren nationalen Markt drängen. Wir Fotografen hingegen sollen ein derartiges Gebaren ertragen. Sicherlich wird sich ein Dummer finden der die besagte Redaktion letzten Endes mit Bildmaterial beliefern wird. Das ist halt der Preis der Digitalisierung; jeder Hansel mit ner DigiCam fühlt sich zur Fotografenlaufbahn berufen.
Ok, die hier beschriebene Redaktion ist nicht die erste die so verfährt. Die MAX zum Beispiel fährt in gewissen thematischen Bereichen die gleiche Tour.
Das Bereitstellen von Bildmaterial beinhaltet mehr als nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Technisches Umsetzungsvermögen, sowohl handwerklich als auch kameraseitig, spielen genauso eine Rolle wie die Selektion und Nachbearbeitung am Rechner. Denn, auch wenn man gründlichst arbeitet, ein bisschen zu werkeln gibt es immer. Man investiert also Zeit, Zeit und nochmals Zeit und die andere Seite erwartet dann, dass man für Ehre und Ansehen seine Aufwände zu Null gegenrechnet.
Ausbeutung und aktive Zerstörung des Marktes beißen bei mir auf Granit.
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