Vorher jedoch bekam unser Siegertyp Friedbert Pflüger aber noch eine Art Tempfelhof-Revival, den plötzlich verwandelte sich die Rotunde der Dresdner Bank am Brandenburger Tor im wahrsten Sinne des Wortes in ein Rollfeld und Dr. Wolfgang Schäuble schwebte auf der Bühne ein. Der TV-Sender Phoenix hatte zum Schwätzchen in Sachen Integration geladen….

Der sichtlich um Sympathien bemühte derzeitige deutsche Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble1 stellte sich zusammen mit Cem Özdemir2, Nihat Sorgec3, Prof. Arnulf Baring4 und Ulrich Reitz5 vor einem auserwählten Publikum6 den Fragen des Moderators Christoph Minhoff.

Fünf gut situierte Herren diskutierten, wie man vor allem ausländischen Jugendlichen eine Perspektive geben könnte. Jene Perspektive ist in einer kapitalistischen Gesellschaftsform, ohne Zweifel, zunächst Bildung und dann eine berufliche Laufbahn. Das haben auch die Diskussionsteilnehmer festgestellt. Bei allerdings geschönten Arbeitsmarktzahlen, massenweise Niedriglohnjobs, verschwindender Mittelschicht und gar mangelnder Integration von eigenen (ost-)deutschen Landsleuten in jene kapitalistische Gesellschaft, kann man sich hinsichtlich der geplanten besseren Integration von Ausländern lange verbal auf die Schultern klopfen. Leider wurde die Diskussion oftmals nur vor dem Hintergrund türkischstämmiger Immigraten geführt.

Der Aussages Schäubles, Immigraten verließen Ihre Heimat weil Deutschland ein so wunderbar aufgeräumtes und geregeltes (reguliertes?) Land ist kann ich persönlich nicht ganz folgen. Afrikaner nehmen ganz sicher nicht die Todestour durch die Sahara auf sich weil hier in DE die Straßen gefegt werden und die Fassaden glänzen. Sie verlassen ihre Heimat, weil sie und ihre Familien finanziell überleben müssen und dies in ihrer Heimat nicht mehr sichergestellt ist. Aber die CDU hinkte bei derartigen Themen schon immer etwas hinterher. Erst in den späten 80ern gestand sich die CDU unter der Regierung Kohl ein, dass ihr Land ein Einwanderungsland sei. Ein Zeitpunkt zu dem alle Messen schon gesungen waren.

Und wenn sich Herr Schäubles Amtskollege aus Brunei sich freut, weil Berlin eine so schöne und freundliche Stadt ist, dann liegt das ganz sicher an der Atmosphäre jenes in Deutschland einzigartigen urbanen Mikrokosmos, am Groove, und nicht an der Art und Weise wie die CDU ihre Politik auf die Menschen loslässt. CDU-Ausgeburten wie die Bespitzelung von Andersdenkenden, von Professoren, Journalisten, Abgeordneten und afghanischen Ministern, sowie die heimliche Ausbildung libyscher Polizisten; die Blockade eines flächendeckenden Mindestlohns oder die Opferung des Klimaschutzes zu Gunsten von Renditen und Dividenden.
Weitere Links zum Thema:

*1 - Dr. Wolfgang Schäuble: CDU, Bundesminister des Inneren

*2 - Cem Özdemir: Bündnis90/Die Grünen, Mitglied des europäischen Parlaments
*3 - Nihat Sorgec: Deutsche Islamkonferenz, Geschäftsführender Gesellschafter Bildungswerk Kreuzberg GmbH
*4 - Prof. Arnulf Baring: der Neuen Rechten angehörender Historiker
*5 - Ulrich Reitz: Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung
*6 - Anmerkung des Autors: kenne ich noch aus DDR-Zeiten
*7 - Anmerkung des Autors: “leicht” untertrieben… ;-)