Frei nach Carl Sandburg: “Stell Dir vor es ist Krieg Loveparade und niemand geht hin. Dann kommt die Loveparade zu Euch!” Das tat und tut Sie. Inzwischen aber nur noch im Ruhrpott… Anläßlich, oder trotz der ausgefallenen Love Parade zu feiern, avancierte in den letzten Jahren zu einer Berliner Tradition und ließ die Mutter aller Paraden nicht wirklich vermissen. Alle Jahre wieder, so auch 2007, tauchen die üblichen Verdächtigen auf und predigen das HimmelPartyreich Gottes auf Erden mit Prophezeiungen a la 800 DJs auf 40 Floors. Die Love From Above wurde anlässlich der Love Parade ins Leben gerufen und findet ebenfalls trotz Paradenmangelerscheinung ihre Fortsetzung.

Vandit Nächte, das sind auch jedes Mal aufs Neue Defilees von wichtigen, sehr wichtigen, nein sogar äußerst wichtigen Personen, die sich sonst wenig um das Clubleben der Stadt kümmern, aber aufschlagen um zu sehen und gesehen zu werden. Die Musik stellt für diesen einen nicht geringen Anteil der Besucher eigentlich nur eine Art Rahmenprogramm dar. Dies verleiht dem Ganzen einen grotesken Anstrich, da der Status z.B. sichtbar auf der Pressebühne zu stehen vehementer verteidigt wird, als die die persönliche Freiheit, die momentan schäubleseitig staatlicherseits bedroht wird.

Die Love From Above war bereits ein Vorgeschmack dessen, was die Herren Innenminister in Sachen Videoüberwachung so aushecken. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde zigmal fotografiert oder gefilmt. Allein schon aus dieser Motivation heraus, den Menschen nicht noch zusätzlich auf die Pelle zu rücken, schoss ich nur Fotos von Bühne und Lichtstimmung. Keine Bilder von Clubbern produziert zu haben, bringt mich nicht noch zusätzlich in die Verlegenheit diesen Abend publizieren und damit als etwas Besonderes darstellen zu müssen. Die Präsentation des neuen Albums war eine minutiös geplante Darbietung, in der das Publikum seine Rolle brav zu spielen hatte. Hinter dem Zaun, der die Parallelwelt Bühne vom Rest der Erde trennte. Störungen wurden brachial im Keim erstickt. Der eine Clubber, der auf der Bühne tanzen wollte; seine Knochen werden sich sicherlich noch längere Zeit an den rabiaten Securityangriff erinnern.

Musikalisch ist das neue Album von van Dyk nichts wirklich Neues. Keiner der vorgestellten Songs hat das Potential wirklich überraschend und frisch zu wirken. Es gibt wenig Twists, wenig Dramaturgie und wenig Experimentelles. Man könnte durchaus denken, dass die dargebotenen Stücke nicht unbedingt einer musikalischen Motivation entsprangen. Beim Anspielen der ersten Töne weiß man bereits, wie Mitte und Ende ausschauen. Einzig die Künstler mit denen zusammengearbeitet wurde, lassen eine gewisse Progression erkennen, so z.B. überzeugte Reamonn Sänger Rea Garvey ad hoc. Etliche Songs werden dennoch leider nur durch den massiven Einsatz von Vocals getragen; Vocals, deren Charakter mehr einem Mitträller-Refrain ähneln, denn im weiteren Sinne anspruchsvoll zu sein. Ihre triviale Bestimmung jedoch werden diese Songs sicherlich formidabel erfüllen, da ganz gezielt auf massenmediale Kompatibilität und die Personalie Matthias Paul gesetzt wurde. Optisch wird Letzterer auch durch die Bühnenshow empor gehoben. Außer ein paar netten synchron geschalteten Scannern und dem fast permanent beleuchteten van Dyk, erscheint auf den Leinwänden nichts wirklich aufregendes, wo doch z.B. Daft Punk eindrucksvoll bewies, welch Potential Licht und Ton haben, wenn sie vermengt und zur Explosion gebracht werden. Der Ablauf war konzentriert, wirkte allerdings aufgesetzt, statisch und meilenweit von dem entfernt, was man einen quirligen Live Act nennt.

Beim niederbringen dieser Zeilen erinnere ich mich sofort an die Kritik, die ich anlässlich des Junkie XL Albums Today schrieb. Die Gemeinsamkeit mit Paul van Dyks In Between ist die Intention der Sicherung bereits erreichter Marktanteile; Zuwachs nicht unerwünscht. Die Fans jedoch werden trotz aller Kritik ganz sicher dafür sorgen, dass dieses Ziel des finanziellen Profits auch erreicht wird. Immerhin müssen durch den Marktwert des gebürtigen Eisenhüttenstädters mittlerweile viele hungrige Mäuler gestopft werden.
Vertonter Kapitalismus, inszeniert durch die Paul van Dyk GmbH? Nun ja, das werden vergötternde Fans sicherlich anders sehen. Menschen mit gesundem Kritikempfinden hingegen kommen an dieser Fragestellung nicht vorbei.

Doch nun zu Carl… Cox Roxxx… Und das bewies er auch wieder im Rahmen der Vandit Night. Der Sunnyboy und einzige Farbklecks konnte allerdings nicht so wie er wollte. Nur 2 Stunden, und dann mit seichten Trance-Einflüssen, welche die geforderte Anpassung seines DJ-Sets an eine lange Nacht symbolisierten, in der die Running Order das Wort van Dyk satte 3-Mal enthielt. Auch schien der Lichtjockey mehr mit Cox denn als mit anderen Acts zu sympathisieren, wurden die Lichteffekte doch erst interessant, als das Schwergewicht seine Technorhythmen wuchtig wie eine Schlachtwallküre in den Arena Tanzkessel hinabsausen ließ.

Die Nacht war schneller vorbei als gedacht. Nachdem mir ein netter Security-GorillaMensch die Brille (absichtlich?) aus dem Gesicht riss und dabei die Gläser zu Bruch gingen, war der Blick auf den zweiten Floor im Glashaus, mit z.B. Santiago Nino, nur noch sehr verschwommen möglich.