Graues Amman
Pünktlich um 5 Uhr morgens ergreift der Muezzin das Wort, vom Tonband. Vom leidernden Tonband. Seine Nachricht wird durch ein altes, schon krächzendes Megaphon dem Äther übergeben. Dazu stimmen ein paar Hunde jaulend ein. Selbstredend, dass ich von dieser Art Gebetsruf innerhalb weniger Minuten vollends wach war und beschloss nach Bad und Frühstück aufzubrechen. Ich war erst tags zuvor in der jordanischen Hauptstadt eingetroffen. Per Bus ging es von Damaskus’ Baramke Station gen Süden. An der Grenze erwirbt man mehr oder weniger schnell, zumindest aber nur gegen Jordanische Dinar (JD) das briefmarkenartige Visum, welches erst nach ungeduldigem warten gestempelt wurde. Eigentlich hätte es gleich weiter gehen können, doch die jordanischen Grenzer stürzten sich auf die mitreisenden Palästinenser. Das was dann folgte, muss wohl ähnlich der DDR-Grenzprozedere gewesen sein. Natürlich wurde das Gepäck gründlichst durchsucht, während sich die männlichen Reisenden in einer separaten Baracke sogar ausziehen mussten. Aus 2 Stunden wurden 6 und die Jordanier hatten durch diese generell Palästinenser-feindlichen Aktionen erst einmal einen satten Sympathiemalus.
In Amman angekommen, überfiel einen nicht gerade das typisch wohnliche Gefühl, dass mir sonst im arabischen Raum begegnete. Amman ist keine architektonische Perle, alle Häuser der insgesamt sieben Hügel, sind hoffnungslos ineinander geschachtelt. Einzig die King Abdullah Moschee lockert dieses Durcheinander auf. Amman ist zweifelsohne moderner, allerdings genieße ich Shawarma lieber ordentlich gewürzt und im arabischen Fladenbrot, als lediglich gesalzen und im amerikanischen Kuchenbrötchen serviert. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis in Sachen Unterbringung sank schlagartig. Hatte ich in Syrien noch fürtlich für 5 Euro die Nacht residiert, stand hier in Amman schnell das Doppelte zu Buche. Das Zimmer hingegen war nichts weiter als eine lausige mit Stockflecken übersäte Kammer, in deren Mitte eine mich an DDR-Zeiten erinnernde Schaumstoffmatratze lag. Amman und ich haben an diesem Abend nicht wirklich zu einander gefunden, weshalb ich beschloss am nächsten Tag ins südliche Jordanien nach Petra zu fahren.
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