Wasser, Dampf und Seife
So richtig planschen lässt es sich im Hamam, dem arabischen Bad. Doch der Reihe nach… Der Preis für dieses Vergnügen schwankt. Während man in der Türkei bis zu 55 Euro (Cagaloglu Hamam, Istanbul) für das volle Programm berappen muss, kommt Syrien wesentlich preiswerter mit nur ca. 4-7 Euro daher. Das in Damas eindeutig beste Hamam ist das Nur ed-Din, welches allerdings nur den Herren der Schöpfung Einlass gewährt. In Damaskus steht Frauen das al-Qaimariyya Hamam zur Verfügung, welches sich nur wenige Meter vom Elissar Restaurant befindet. Sollte der Eingang mit einem dicken Vorhang verhangen sein, so ist dies das Zeichen, dass sich gerade Frauen im Hamam befinden und Männer “keinen” Zutritt haben. Nachdem ich in die vollbesetzte Damenrunde geplatzt bin, wusste ich über dieses “eindeutige” Zeichen sehr gut Bescheid :-) Im al-Qaimariyya können Frauen bis um 17:00 Uhr baden, danach ist das Hamam für Männer geöffnet. Doch zurück zum Hamam Nur ed-Din nahe des Azem Palastes. Der Eingang liegt versteckt neben einem kleinen Gebetsraum zur Linken und diversen Gewürzständen zur Rechten. Direkt im Anschluss an den Eingangsbereich schließt sich der offen angelegte Ruheraum mit seinen gepolsterten Bänken und Teppichen an. Spätestens hier sollte man sich der Schuhe entledigt und in eine der Boxen eingelagert haben. Bevor es jedoch ans Schuhe und Sachen ausziehen geht, hinterlegt man am Eingang seine Wertsachen in einem kleinen Schließfach.
Im erhöhten Bereich des Ruheraums zieht man sich dann bis auf die Unterhose aus und erhält ein einfaches Baumwolltuch um die Hüfte gewickelt. Wem Zuhause auch immer das Handtuch von den Hüften rutscht, dem sei gesagt, dass DIESES Tuch sogar Windstärke 8 widerstehen könnte ;-) Nun ist man gewappnet um die erste Station anzulaufen: die Sauna. Ob nun im Stile einer finnischen Trockensauna oder aber durch puren Dampf, der erste Halt heißt Schwitzen. In den gehobeneren Hamams geht es danach erst einmal kurz unter die Dusche um den Schweiß abzuspülen. Mit der Dusche kaum fertig stand er vor mir, mein Masseur. Blond, stechende blaue Augen, gefühlte doppelt-so-hoch-wie-ich und mutmaßlicher russischer Abstammung. Ein Mann, dessen Fausthieb mich wie eine Coladose hätte zusammenfalten können. Die nächsten 20 Minuten jedoch rehabilierten den Kerl umgehend, da er mir eine sehr gute Massage verpasste in der sämtliche Körperregionen eine Portion Entspannung verabreicht bekamen.
Nach der Massage wiederum geht es für gewöhnlich in einen zweiten, wesentlich dampfigeren Raum, in dessen Nischen man von Kopf bis Fuß mit einem aus Ziegenhaar gewebten Handschuh abgerubbelt (neudeutsch: gepeelt) wird. Dabei kommt guter feiner Seifenschaum zum Einsatz, hergestellt aus Aleppiner Seife. Doch dazu später mehr. Nimmt man sich keine Seife mit, so wird einem vor Ort ein Stück in die Hand gedrückt, allerdings leider oft normale europäische Seife (grün und aus tierischen Fetten hergestellt). Empfehlung: ruhig vorher auf dem Souq eine original syrische Seife kaufen, am besten sind die Olivenseifen älter 8 Jahre oder aber Feinseifen mit Ölextrakten aus Minze, Pinie oder Cumin. Dieser feine samtige Schaum und das Dampfbad geben der Haut ein unglaublich klares Erscheinungsbild und machen sie so soft, das man am liebsten mit sich selbst kuscheln möchte. Und noch ein kleiner Tipp: es ist auf jeden Fall ratsam eine zweite Unterhose mitzunehmen. Es sei denn, man steht auf nasse Unterhosen aber einen “luftigen” Rückweg á la Paris Hilton ;-)
Im Dampfbad kann man sich dann so lange wie man möchte aufhalten, von oben bis unten einseifen um sich dann mit einer Schüssel Wasser wieder abzuspülen. Ist man fertig, so entledigt man sich des nassen Lendenschurzes und auch der Unterhose und erhält ein neues, trockenes Baumwolltuch. Dann geht es zurück in den Ruheraum, wo man mit in ein Heerschar von Handtüchern gewickelt wird. Derart eingemummelt sitzt man dann rum, entspannt sich, trinkt guten Tee und schließt neue Freundschaften, wie z.B. mit Dr. Bilgo aus Kairo, der sich wie ein Kullerkeks freute, dass ich als Europäer das gemeinsame Badeerlebnis suchte. Mit der Sehnsucht alsbald wieder in einen Hamam gehen zu können, fragte ich ihn natürlich auch nach einem guten Bad in Kairo. Er entgegnete, dass die ägyptischen Bäder weit vom Standard der Damaszener entfernt seien, er deshalb jede Möglichkeit außerhalb Ägyptens nutze ein Hamam aufzususchen und das Fremden in Ägypten des Öfteren der Eintritt zum Badehaus versagt bleibt. Beim späteren Aufenthalt in Kairo bestätigte sich dies, leider.
Verwendete Fototechnik: Canon EOS 20D, Canon EF-S 10-22, Tamron 17-50 f2.8, Tamron 28-75 f2.8

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