Säulen am Morgen bringen Kummer und Sorgen, allerdings auch Wind und kalte Füße… Von Aleppo aus ging es für mich über Dair az-Zaur, wo ich irakische Flüchtlingstrecks sah, weiter nach Palmyra. Auf einer abenteuerlichen Fahrt durch die Wüste, klammerten sich nicht nur die ölverschmierten Hände des Fahrers an das Interieur. Mit Kommentaren wie: is crazy, is very crazy, is very nice oder is very old verlief die Fahrt zwar relativ Wortkarg, aber dennoch irgendwie lustig, zumindest was die Wortwahl des Fahrers betraf :-)
Circa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang trafen wir in Tadmur, der Oasenstadt neben den Ruinen des einstigen Palmyra ein. Sofort verschlug es mich zur Festung, die ca. 4-5km außerhalb Tadmurs liegt und einen schönen Blick auf die Ruinen gestattet. Der Magie des Sonnenuntergangs bewusst, waren auch nicht wenige fliegende Händler zugegen, die den nach und nach mit Bussen eintreffenden Touristen jeglich erdenkbaren Krimskrams zu verkaufen versuchten. Als die große Horde Touristen dann meinem Separationsbestreben folgte und mir auf die Anhöhe vor der Burg folgte, zog ich es vor meinen nicht vertouristeten Wüstensonnenuntergang woanders zu erleben, noch nicht wissend, dass Petra noch etwas für mich in petto haben sollte.

Ich beschloss relativ früh zu Bett zu gehen, da Tadmur zum einen nicht viele kulinarische Überraschungen bereithält, auf der anderen verpasst man zwischen Verschwinden der Sonne und Morgendämmerung nicht wirklich viel. Ich beschloss daher früh zu Bett zu gehen, um am nächsten Tag mal wieder früh aufzustehen und das Licht des Sonnenaufgangs zu nutzen. In der Nacht bereits kündigte sich der kalte Wind an, als er derart stark am Fliegengitter rüttelte, dass man wach wurde.
In den Morgenstunden hatte sich dieses Lüftchen in einen ausgewachsenen Sturm verwandelt, der einem gnadenlos den Sand in die Augen peitschte und zudem richtig kalt war. Ich bin schlecht im schätzen, aber Windstärke 7-8 war das allemal und wenn man beim Ausatmen den Atem auch noch sieht, dann hat man einen recht guten Indikator, dass es alles andere als tropisch warm ist.

Den wärmenden Sonnenstrahlen und somit dem schönen Streiflicht hatte sich eine dicke Wolke entgegen gesetzt. Erst nach gut 45 Minuten in windgeschützter Lage ausharrend, gewann der Feuerplanet den Kampf. Das warten hatte sich jedoch gelohnt, kämpften sich doch die Sonnenstrahlen markant durch die Atmosphäre und tauchten die Ruinen Palmyras in einen Farbverlauf von zartrosa nach dunkelblau.