Auch an einem Freitag, dem muslimischen Sonntag und eigentlich striktem Ruhetag, steht nicht wirklich alles still. Wenn man Glück hat, dann kann man sogar ohne größere Probleme eine kleine Rundreise starten und von Damaskus aus ist das Krak des Chevaliers, eine massige Kreuzritterburg und eine von Syriens imposantesten Attraktionen in relativ kurzer Zeit zu erreichen. So wie alle Wege nach Rom führen, ist die Damaszener Busstation Harasta immer DER Ausgangspunkt für Reisen in das nörd- und westliche Syrien, wie z.B. Aleppo, Tadmur (Palmyra) oder aber auch Homs (حمص), dem “Umsteigebahnhof” wenn man das Qal’at al-Hosn, wie die Kreuzritterburg Krak des Chevaliers (قلعة الحصن) im Arabischen genannt wird, besichtigen will. Ursprünglich im Jahre 1031 von Kurden errichtet, fiel die Festung gegen Ende des 11. Jahrhunderts in die Hände der Kreuzritter, welche wiederum nach langer Belagerung durch Sultan Baibars im 13. Jahrhundert wieder den Mittleren Osten verließen.

Das Krak liegt an der Autobahn zwischen Homs und Tartus und kann mit den Minibussen oder Vans die gleich neben der Busstation in Homs starten erreicht werden. Die Burg wird allerdings nicht direkt angefahren. Man muss dem Fahrer verständlich machen, dass man an der Autobahnausfahrt zum Krak des Chevaliers abgesetzt werden möchte. Am ehesten erreicht man das, wenn man dabei die Finger kreuzt (=Kreuzung) und den Begriff Qal’at al-Hosn fallen lässt. An jener Ausfahrt warten in der Regel immer ein paar private Fahrer und in der Hauptsaison sogar Minibusse. Kommt man allein und an einem Ruhetag (Freitag) hat man jedoch relativ schlechte Karten, denn dann sind um von dort wegzukommen statt 50 bis zu 200 Pfund fällig. Die Strecke von Homs bis zur Autobahnabfahrt ist in ca. 45 Minuten erledigt, wobei der Aufstieg zum Krak weitere 30 Minuten benötigt.
Westlich vom Krak findet man das Hotel Baibars (auch Beybars geschrieben), das einem für satte 20 US$ (~1000 syrische Pfund) ein Zimmer zur Verfügung stellt. Angesichts des visuellen Schmankerls von genau diesem Hotel aus (und sogar im Bett liegend!) die hinter dem Krak aufgehende Sonne sehen zu können, sind die 1000 Pfund für Syrien zwar teuer, aber nicht allzu schmerzlich.

Vom Balkon aus kann dann komfortabel mit allen mitgeschleppten Kameras und Objektiven in Aktion getreten werden. Das Kastell selbst wird nicht angestrahlt, es bleiben nur die drei grellen, an den Außenmauern montierten Laternen. Jene Laternen sind die einzigen Lichtquellen die die Autofahrer auf der am Krak vorbei führenden, 200-300m hoch gelegenen Bergstraße ohne Leitplanke begleiten. Laterne hin, Laterne her – gegen 5 Uhr in der Früh taucht der Sonnenaufgang Himmel in ein Farbspiel von marineblau bis mandarin/rose und lässt einen die grellen Strahler vergessen. Ein sonst eher sperriger Teil des Reisegepäcks wird dann, zumindest was die Monate außerhalb des Sommers anbelangt, zum wichtigen Begleiter: warme Kleidung; denn die Temperaturen auf dem vor Wind ungeschützten Hochplateau gehen oft in den Keller und für Leute die sich nicht gerade am Eisblock wärmen wird es empfindlich kalt. Dort oben die ersten wärmenden Sonnenstrahlen eines Tages in Empfang nehmen zu dürfen, ist allerdings ein Genuss für sich.

Das Krak selbst ist der gaaaaanz große Männerspielplatz. Von Absperrungen gänzlich unbehelligt, denn jene trifft man nur sehr selten an, kann man frei wie ein Vogel in die mittelalterlichen Höhlen und Gänge abtauchen. Die Aussicht vom Kommandoturm ist grandios, kann man doch bis ins Orontes-Tal gucken, während sich im Rücken die schneebedeckten Gipfel des Libanon-Gebirges aufbauen. Einheimische sagen, dass man bei guter Sicht sogar Zypern am Horizont erkennen kann. Im Burginneren lebt die alte Kreuzritterzeit wieder auf: ein gotischer Kreuzgang, Schießscharten, eine Kapelle und natürlich die Halle, in dem das Emblem des Richard Löwenherz prangt.

Vor dem Eingang traf ich eine Gruppe kurdischer Jungs, die sich ihre Heimat anschauen und am Krak Station machten. Wir kamen sofort ins Gespräch, weil auch sie darauf warteten, dass die Festung geöffnet wird. Dabei schlenderten wir ein wenig umher und ich bemerkte, wie viele Raupen es in der Gegend um das Krak gibt. Teilweise sind das richtige Teppiche…

Übrigens: Einmal im Jahr gibt es auf den gegenüberliegenden Gipfeln der Alawitenhöhen ein Volksfest mit großem Picknick. Viele Menschen bleiben bis in die Nacht und in den letzten Jahren wartete man sogar mit einem Feuerwerk am Krak des Chevaliers auf. Wen es weiterzieht, der kann vom Fuße der Burg mit dem Minibus problemlos nach Tartus und weiter nach Baniyas oder Latakya reisen. Für mich ging es jedoch zurück nach Homs, wo ich prompt Anschluss nach Hama hatte um dort den Norias einen Besuch abzustatten.

Verwendete Fototechnik: Canon EOS 20D, Canon EF-S 10-22, Tamron 17-50 f2.8, Tamron 28-75 f2.8, Sigma 80-400 OS f4.5-5.6

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