Norwegen rief, und ich folgte, da deine Schwester ein Auslandssemester in Bergen, im berühmt berüchtigten Fantonft, verbrachte. Voll bepackt mit Lebensmitteln, denn die sind im sich weitestgehend autark versorgenden Norwegen nicht gerade billig, kutschierte mich Norwegian ab Schönefeld direkt in die westlichste große Hafenstadt Skandinaviens.

Das Wetter im September lässt sich am einfachsten beschreiben, wenn man es auf folgende Formel runterbricht: 55 Minuten Sonne-Wolken-Mix, dann ein 5 Minuten dauernder apokalyptischer Regenguss. Manchmal können diese 5 Minuten aber den ganzen Tag andauern ;-) Nicht umsonst beschäftigt die Universität zu Bergen eine Heerschar von Psychologen, die die ausländischen Studenten in dieser doch manchmal sehr dunklen und äußerst regenreichen Stadt betreuen.

Nichts desto trotz ist Bergen eine sehr interessant angelegt Stadt, deren Agglomeration sich auch über die vielen Insel um Bergen erstreckt. Wirklich überfüllt ist es eigentlich nur rund um den Torget, den Fischmarkt, welcher zusammen mit dem historischen Stadtteil Bryggen mehr oder weniger das Zentrum bildet. Von dort kann man z.B. auf den Fløyen fahren, einem der sieben Berge rund um Bergen, um den Blick über die einstige Hansestadt schweifen zu lassen. Oben angekommen und die satt von asiatischen Touristen bedrängte Fløyen-Bahn überlebt, eröffnet sich ein zum Schlendern einladendes, detailreiches Panorama, in dem man schon von weitem die sich ankündigenden nächsten Regengüsse erspähen kann.

Von den Bergener Kais starten auch die meisten Rundreisen durch Norwegen. Die wohl bekannteste ist Norway In A Nutshell, die von Bergen durch den riesigen Sognefjord über Flåm, Myrdal und Voss wieder zurück nach Bergen führt. Jedoch muss man früh aufstehen, will man a) von Touristen einigermaßen ungestört reisen und b) wieder bei Tageslicht in Bergen ankommen.
In den Sommermonaten präsentiert sich Norwegens tiefster und längster Fjord wesentlich sonniger statt wolkenverhangen und dunkel. Die Wolken und das mangelnde Licht lassen allerdings die Wurzeln erahnen, auf die sich die skandinavische Mythologie stützt. Am Kjosfossen angekommen, einem großen kaskadierten Wasserfall zwischen Flåm und Myrdal, wird der Tourist Zeuge, wie die Norweger dieses Stück Kultur pflegen. Denn hier treten die Huldrene, sirenenartig singende Tänzerinnen, ans Tageslicht.

Eine weitere Attraktion in Bergen ist das Aquarium, welches sich nicht hinter z.B. dem Kapstädter Two Oceans verstecken muss. Sicherlich gibt es hier einen anderen Mix aus Flora und Fauna zu bestaunen, doch die liebevoll eingerichteten Aquarien und unterschiedlichen Lichtstimmungen, verwandeln diesen Ort in ein kleines Unterwassermärchen.