Sonar Festival Barcelona

Alle Wege führen über Zürich, sagten ja schon die alten Römer. Swiss Air beherzigt diese Lebensweisheit wie kein Zweiter und flog mich von Berlin in die katalanische Metropole. Der Empfang war frostig, zumindest was die Züge angeht, denn jene waren teilweise bis arktisch unter null durchklimatisiert und rissen einen jäh aus den Sommerträumen die nur wenige Zentimeter hinter der Fensterscheibe nackte Realität waren.

Kumpel Arie empfing uns, mich und Begleiterin Alex, am Plaza Catalunya und stellte uns obendrein sein Haus als Domizil zur Verfügung. Rund um sein Domizil in Sarria ticken die Uhren gemächlicher als zwischen den Häuserschluchten auf die man hinab blickt. Anlaß meiner Reise war zum einen meinen Internetbuddy Arie kennenzulernen, aber auch das sagenumwobene Sonar Festival zu erleben.
Nun, das Sonar war eine herbe Enttäuschung. Wolf Biermann besang einst das kapitalistische System und titelte es als “Nepplokal” und “kalt gekachelten Puff”. Genau jene Örtlichkeit suchten sich die Sonar-Verantwortlichen als Austragungsort aus, die klinisch-aseptischen Messehallen westlich des Olympiahügels. Alles was Barcelona je an Kultur hervor gebracht hat, sah in dieser Location seine Antipode. Wer Großraves geil findet und auch Massen von verdrogten Engländern, nebst einer verdrogten Japanerin, ganz toll findet, der wird sicher auch das Sonar sehr toll finden. Für mich war es die 100%ige Bestätigung der Gedanken von Harald Blüchel: “in der Massenkonfektion wird das Genre fragwürdig.” (Interview mit der Süddeutschen Zeitung)

Was assoziiert man mit Beach Party? Richtig, blaues Wasser, Sonne nebst mehr oder weniger schattenspendenden Palmen. Die Beach Parties in Barcelona hingegen finden schattenfreiem Ambiente statt, wobei der Untergrund eine unvergeßliche Hauptrolle spielt. Es ist, also würde man in der prallen Sonne in irgend einem Lehmtagebau feiern wollen. Für pigmentgesegnete Menschen ist die Sonne sicherlich kein Hindernis, der Staub hingegen, der sich über Wochen in den Schuhen und auch der Lunge einnistet, ist ein Ärgernis sonders gleichen.

Da auch noch erheblich organisatorische Schwächen der Sonar-Ausrichter hinzu kamen, beschloß ich mich auf den Parties drum herum blicken zu lassen. Im Raum war das Berliner Label Mobilee zu Gast. Weiter ging es zu einem gut gelaunten Chris Liebing, der im Teatro Principal Technorhythmen sprechen lies. Zwei Tage später ging es zu Sven Väth und der knüppeldick gefüllten La Terrrazza – ein Muss, der Club natürlich.

Dabei entstand dieser Artikel, veröffentlicht im 365Mag.